Kalenderfrust – warum Kalender scheitern (und wie sie wirklich funktionieren)
- Anna-Marie Balfanz

- vor 7 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Wenn der Kalender schon im Februar in der Schublade liegt

Vielleicht liegt dein Kalender jetzt schon wieder in der Schublade. Dabei hattest du dir zum Jahresanfang fest vorgenommen, dieses Jahr wird alles anders. Dieses Jahr bleibst du dran. Dieses Jahr klappt es endlich.
Und vielleicht ist es auch nicht dein erster Kalender. Vielleicht hast du dir in den letzten Jahren nicht nur einen gekauft, sondern zwei, drei oder irgendwann sogar den vierten – jedes Mal mit der Hoffnung: Dieser Kalender wird es jetzt richten. Mit dem wird es funktionieren.
Wenn du dich hier wiedererkennst, dann erst einmal: Du bist nicht allein. Und noch wichtiger – du bist nicht das Problem.
Kalender scheitern nicht, weil wir undiszipliniert sind oder uns nicht genug anstrengen. Sie scheitern, weil sie falsch genutzt werden, falsch aufgebaut sind oder schlicht nicht zu uns passen.
Warum Kalender so oft nicht funktionieren
1. Zu kompliziert statt unterstützend
Ein häufiger Grund für Kalenderfrust ist Überkomplizierung.

100 Farben, gefühlt 20 Symbole, zehn Kategorien – und bevor man überhaupt einen Termin eintragen kann, muss man erst überlegen:
Welche Farbe war das nochmal?
Welches Symbol passt hier?
Gehört das jetzt in Kategorie A, B oder C?
Wenn du drei Stunden brauchst, um etwas einzutragen, ist der Kalender kein Werkzeug mehr, sondern ein Projekt.
Ein gutes Kalendersystem spart Zeit und Energie. Es sollte nicht noch mehr davon verbrauchen.
2. Der Kalender passt nicht zur Persönlichkeit
Nicht jeder denkt gleich.
Manche Menschen denken eher visuell, andere eher linear. Manche brauchen Überblick, andere Detailtiefe. Manche planen gerne voraus, andere lieber näher am Tag.
Trotzdem versuchen viele, ihren Kalender so zu nutzen, wie man es angeblich tun sollte – nicht so, wie es für sie selbst funktioniert.
Wenn dein Planer nicht zu deiner Art zu denken passt, wirst du ihn früher oder später meiden. Ganz automatisch.
3. Nur Termine, aber kein echtes Leben
Viele Kalender enthalten ausschließlich Termine.
Was fehlt?
Alltag
Übergänge
Pausen
Erholungszeit
Das Ergebnis: Der Kalender ist voll – aber der Tag nicht machbar.
Wenn ein Kalender dein echtes Leben nicht abbildet, fühlt er sich nicht entlastend an. Und dann greift man auch nicht gerne zu ihm.
4. Zu optimistisch, zu ideal, zu realitätsfern
Ein weiterer Klassiker: Wir planen ideal statt real.
Plötzlich gibt es im Kalender:
keine Morgenroutine mehr
keine Mahlzeiten
kaum Schlaf
keine Übergänge
Der Plan sieht auf dem Papier gut aus – scheitert aber im echten Leben.
Nicht, weil du versagt hast, sondern weil der Plan nie realistisch war.
5. Keine feste Nutzungsroutine
Ein Kalender wirkt nur, wenn er regelmäßig genutzt wird.
Viele schauen mal rein – und dann wieder tagelang nicht. Es gibt keinen täglichen oder wöchentlichen Check-in, keine Gewohnheit.
Ohne Nutzung wird selbst der beste Kalender bedeutungslos.
6. Fremde Erwartungen und Social-Media-Druck
Social Media zeigt uns perfekt gestaltete Kalender: ästhetisch, sauber, durchdacht – scheinbar fehlerfrei.
Und sobald der eigene Kalender nicht so aussieht, entsteht Frust.
Der Vergleich sorgt dafür, dass der Kalender plötzlich Druck, Stress oder Versagensgefühle auslöst.
Und was Druck macht, wird vermieden.
Wofür ein Kalender wirklich da ist
Bevor wir über Nutzung sprechen, müssen wir eine Sache klären:
Ein Kalender ist kein Disziplin-Tool.

Ein guter Kalender bietet:
Entlastung für den Kopf
Orientierung im Alltag
Sicherheit
Er hält Gedanken fest, damit du sie nicht ständig im Kopf jonglieren musst. Er übersetzt Absichten in konkrete Zeitfenster. Er zeigt dir, wo Spielräume sind – zum Verschieben, Anpassen, Entlasten.
Ein Kalender ist ein Fundament. Kein Käfig.
Wie ein Kalender wirklich funktionieren kann
1. Radikal vereinfachen
So einfach wie möglich.
In den Kalender gehört nur das, was jetzt relevant ist. Alles andere – Ideen, Projekte, ungeklärte Dinge – gehört in ein separates Organisationssystem.
Der Kalender ist für den Alltag. Nicht für alles im Leben.
2. Klein anfangen
Du musst nicht sofort ganze Wochen durchplanen.
Starte klein:
ein Arbeitstag
ein Nachmittag
ein bestimmter Zeitraum
Kalendernutzung ist eine Fähigkeit. Die darf wachsen.
3. Realistisch planen

Plane Pufferzeiten ein. Plane Übergänge ein. Plane Alltag ein.
Ich empfehle dafür einen "Zeitleistenkalender", in dem du sehen kannst, wann Dinge stattfinden – nicht nur dass sie stattfinden.
Realistische Planung fühlt sich nicht eng an, sondern machbar.
4. Ein täglicher Mini-Check-in
Kein großes Planen. Keine halbe Stunde.
Zwei Minuten reichen.
Leg deinen Kalender an einen Ort, an dem du ihn morgens siehst:
Küchentisch
neben die Kaffeemaschine
ins Badezimmer
Ein kurzer Blick: Was steht heute an? Was ist wichtig?
Das schafft Orientierung und Sicherheit für den Tag.
5. Weg vom Perfektionismus

Ein Kalender ist ein Werkzeug.
Er darf zerknittert sein. Er darf Kaffeeflecken haben. Es darf gestrichen, überklebt und korrigiert werden.
Ein gut genutzter Kalender sieht benutzt aus.
Er soll Klarheit, Entlastung und Fortschritt erzeugen – keine Angst, keinen Druck, keinen Frust.
Planungszeit darf sogar eine kleine Auszeit sein.
Wenn du tiefer einsteigen möchtest
Wenn du lernen möchtest, wie du deine Woche so planst, dass sie realistisch, klar und umsetzbar ist, empfehle ich dir meinen Mini-Kurs „Dein Weg zur erfolgreichen Wochenplanung“ – inklusive Download-Material.
Und wenn du dein Organisationssystem insgesamt aufbauen oder verbessern möchtest, schreib mir gerne eine E-Mail info@company-of-time.com. Ich zeige dir mein System und wie du es für deinen Alltag nutzen kannst.
Fazit
Ein Kalender soll dein Leben leichter machen. Nicht schwerer.



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